Reiseblog von Olivia...

Servus, ich bin Olivia,

das schwarze Schaf, und mir ist heute was Sonderbares passiert.

Davon will ich Euch

in meinem Reiseblog erzählen...

 

 

 

08. Dezember 2022

Hallo,

heute war es echt unheimlich. Als wir unterwegs waren, hörte ich auf einmal das Heulen eines Wolfes. Ich hab richtig Angst gekriegt – ich meine: Ich bin ein Schaf und Wölfe gehören ja zu meinen Feinden. Alfred hat mit seinen scharfen Augen auch Wolfsspuren am Boden entdeckt. Wir haben geschaut, dass wir so schnell wie möglich Land gewinnen und wegkommen. Nun ist es wieder ruhig - bin ich froh! Hoffe mal, wir haben den Wolf abgehängt. Unterwegssein ist also nicht ohne – besonders als wehrloses Schaf. Wie gut, dass ich Alfred und Stella an meiner Seite habe – sie helfen mir, wo sie nur können. Mit guten Freunden sieht vieles nicht mehr so bedrohlich aus. Alfred hat auch einen sehr leichten Schlaf und wird mich heute wecken, wenn sich während meiner Ruhezeit jemand anschleichen sollte.

Bis bald, Olivia

07. Dezember 2022

Hallole,

heute war ein recht mühsamer Tag. Sicher lag das auch daran, dass wir gestern wohl doch ein wenig zu viel Schokolade gegessen hatten und somit recht träge waren. Aber es ging auch wirklich fast die ganze Zeit bergauf. Ich musste an etwas aus der Bibel denken, das wir neulich vorgelesen bekommen haben:

Die Berge sollen plattgemacht werden, und die Täler sollen aufgeschüttet werden, so dass alles flach wird und auf eine Ebene kommt. (Jes 40.3)

„Das wärs doch“, sagte ich zu Alfred. „Wenn dieser Berg einfach plattgemacht würde…“
„Nun ja“, entgegnete er. „Vorher steht dort da: „Macht den Weg frei für Gott! Baut eine Straße für Gott durch die Wüste! (Jes 40,3).

Wir sollen uns bereit für Gott machen, und das machen wir ja auch, wenn wir uns zu ihm aufmachen, nach Bethlehem, wo er geboren wird.“
„Recht hast du, also schnaufe ich weiter bergauf.“
Nun bin ich aber froh, dass ich mich ein bisschen ausruhen kann.

Eure Olivia

06. Dezember 2022

Hallo Ihr Lieben,

sitzen gerade gemütlich an einem Lagerfeuer und schlagen uns die Bäuche mit Schokolade voll. Lagerfeuer? Schokolade? Sicher fragt Ihr Euch, wie es dazu gekommen ist. Als wir unterwegs waren, sahen wir in der Ferne auf einmal ein Feuer. Ich hörte fröhliches Lachen in der Ferne und meinte:

„Komm, lass uns schauen, was da los ist.“ Als wir um die letzte Wegbiegung gebogen sind, sahen wir eine Gruppe junger Leute um ein Lagefeuer sitzen. Sie spielten Gitarre, sangen Lieder und ein paar von ihnen aßen Schokolade. Als sie uns sahen, verstummten sie vor Erstaunen. Wir geben ja auch ein ungewöhnliches Bild ab: ein schwarzes Schaf, begleitet von einem Uhu und einem Stern. Schnell fassten sie sich aber und fragten: „Wer seid denn ihr?“ Nachdem wir uns vorgestellt hatten, luden sie uns ein, noch ein wenig bei ihnen zu bleiben. Sie sind nämlich Pfadfinder*innen von der PSG und da gehören Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft dazu. „Besonders heute, am Festtag des heiligen Nikolaus“, erklärte eine von ihnen. „Der war nämlich ein gütiger Mann, der vielen Menschen geholfen hat. Deshalb schenken die Menschen sich an seinem Gedenktag gerne Schokolade und andere Leckereien.“ So kam es also dazu, dass wir nun Schokolade mampfend am Lagerfeuer sitzen – natürlich nicht zu viel, denn als Schaf muss ich ja auf meine Zähne achten ;-)

Bis denne, Olivia

05. Dezember 2022

Hallo,

und wieder ein kleines Update von unterwegs: Dieses besondere Kind, zu dem wir unterwegs sind, hat uns heute weiter beschäftigt. Wir haben viel geredet, erzählt und uns ausgetauscht. Alfred ist ein schlauer Typ, was er sagt, inspiriert mich. Außerdem kann er gut zuhören und es tut gut, mal einfach meine Gedanken auszusprechen. Mir fällt auf, wie schön es ist, mit anderen unterwegs zu sein und dabei zu reden, und ich bin dankbar für meine Weggefährt*innen. Vielleicht wäre das ja auch was für Euch: Geht mit ein paar guten Freund*innen spazieren und sprecht über das, was Euch im Leben gerade so beschäftigt. Im Gehen kommt auch innerlich einiges in Bewegung.

Eure Olivia

2. Adventssonntag

Hey Leute,

endlich hat Stella unser Reiseziel ein wenig gelüftet. Es geht nach Betlehem in Judäa. Dort soll ein Kind geboren werden – aber nicht ein irgendein Kind. Retter der Welt, Friedensfürst oder Jesus soll er heißen. In ihm soll der große Gott Mensch werden.

Alfred und ich waren erst mal baff. Stella erinnerte mich aber an die vielen Vorleseabende des Hirten – sie muss da wohl am Himmel gestanden und zugehört haben.

Sie zitierte:

Es wird nämlich ein Baby geboren, das der zukünftige Präsident sein wird.(…)Er heißt: Der, der immer einen guten Tipp hat, heftiger Gott, Chef über die Zeit, Friedensbringer. (Jes 11,5)

Das müssen Alfred und ich erst mal verdauen: Wir sollen dieses göttliche Kind besuchen – ausgerechnet wir Außenseiter?

Eure nachdenkliche Olivia

03. Dezember 2022

Hallo Ihr Lieben,

heute haben wir Zuwachs bekommen – unsere Reisegesellschaft wird nun verstärkt durch Alfred, den Uhu. Als wir unterwegs waren, höre ich auf einmal ein voll gruseliges Heulen „Hu hu“. Es war dunkel, im Gebüsch raschelte es und dann dieses gespenstische Geräusch. Mir lief es kalt den Rücken hinunter. Stelle hat mit ihrem Licht dann aber die Stelle angeleuchtet, aus der der Lärm kam und ich sah einen kleinen Uhu auf einem Baum sitzen. Er war ganz zerrupft und hatte vor mir ebenso viel Angst, wie ich vor ihm. Nervös flatterte er mit seinen Flügeln und stotterte „B-b-bitte t-t-t-tu-u-u-h mir nichts.“ Alfred ist nämlich ein sehr nervöser Uhu, der stottert, wenn er Angst hat. Wie ich, ist er ein Außenseiter und niemand will mit ihm was zu tun haben. Wie dem auch sei – vor so einem Federknäul brauchte ich wirklich keine Angst haben. Ich kam mit ihm ins Gespräch und mit der Zeit wurde er ein wenig ruhiger und weniger nervös. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Dinge/ Personen, die uns ängstigen oft gar nicht so schlimm sind, wenn wir uns ihnen liebevoll zuwenden, sie in einem sanften Licht betrachten und mit ihnen ins Gespräch kommen. Tja und dann hab ich ihn gefragt, ob er mit uns kommen mag und er hat ja gesagt. Nun sind wir also zu dritt auf unserer Reise ins Unbekannte.

Bis bald, Eure Olivia

 

 

02. Dezember 2022

Hallo Ihr,

wieder liegt eine Wegstrecke hinter mir. Stella führte mich über eine dürre Ebene – fast schon eine Wüste. Zeitweise bekam ich echt Panik – schließlich brauch ich als Schaf ja ab und an Gras zum Essen und was zu trinken.

Stella aber beruhigt mich. „Hab keine Angst – bald schon kommen wir wieder auf fruchtbares Land, wo wieder Gras wächst. Im Leben gibt es auch mal dürre und trockene Zeiten, die nie zu enden scheinen. Dann musst du darauf vertrauen, dass es besser wird.“

Mir fällt dazu was ein, was uns unser Hirte mal aus der Bibel vorgelesen hat: Das ausgetrocknete Land wird total glücklich sein. Da, wo sonst nichts wächst, wird man feiern. (Jes 35,1bff)

„Das ist ein schönes Versprechen“, meinte Stella lächelnd. „Es hat auch ein wenig mit unserer Reise zu tun. Aber nun schau, da hinten ist ein Bach und eine fette Weide, auf der wir Pause machen können.“

Voller Freude hüpfte ich auf die Wiese zu und schlug mir erst mal den Bauch mit leckerem Gras voll.

Bis bald, Eure Olivia

01. Dezember 2022

So, liebe Leser*innen meines Reiseblogs,

da bin ich wieder. Es ist inzwischen Morgen geworden und ich ruhe mich aus. Weil Stella ein Stern ist und bekanntlich nachts leuchtet, werde ich die nächste Zeit im Dunkeln unterwegs sein und tagsüber Pause machen. Klingt ein wenig gruselig, ist aber gar nicht so schlimm. Stella ist ein sehr zuverlässiger Stern, sie leuchtet mir den Weg und in ihrem Lichtschein fühle ich mich sicher.
Ein wenig erinnert mich das an etwas, das uns unser Hirte mal aus einem dicken Buch, der Bibel, vorgelesen hat.
„Menschen, die im Dunkeln tappen, werden plötzlich ein krasses Licht sehen. Leute, die dort wohnen, wo es richtig finster ist, sehen plötzlich was ganz Helles über sich.“ (Jes 9,1 -2 Volkxbibel)

Das hat mich schon damals bewegt – irgendwie fühle ich mich oft so einsam und planlos – wie im Dunkeln eben. Mitten in diese Finsternis strahlt dann ein Licht, das Trost und Orientierung gibt. Für mich ist Stella im Moment so ein Licht.

Eure Olivia

1. Adventssonntag

Noch weiß ich nicht, wohin mein Weg führt – es bleibt also spannend. Aber erst mal zu mir: Ich bin Olivia und lebe als einziges schwarzes Schaf in einer Herde mit lauter weißen Schafen. Manchmal ist das schon nervig, kann ich Euch sagen – ich würde so gerne sein wie die anderen, einfach dazugehören, und falle doch durch mein Äußeres auf. Immer wieder passiert es mir, dass die anderen sich gemeinsam verabreden, auf einer besonders leckeren Weide zu grasen, und mich nicht fragen, ob ich mit will. Dabei bin ich doch ein Schaf wie sie, ich habe halt einfach nur schwarze Haare...

Heute war das wieder so: Ich stand ein wenig abseits und hab nur mitbekommen, wie sie miteinander tuscheln, und dann auf einmal alle zusammen weglaufen. Ich sah 19 Schafe von hinten und bin ihnen nach.

Leider bin ich nicht so schnell, weshalb ich sie bald aus den Augen verloren hab. Plötzlich stand ich am Waldrand – mutterseelenallein und hatte keinen Plan, wo ich bin.

Ich kann Euch sagen – mir rutschte das Herz in die Hose bzw. ins Fell. Da hörte ich auf einmal eine leise Stimme die mir zuflüsterte:

„Keine Angst, Olivia, ich bin bei dir und möchte dich auf eine Reise mitnehmen.“

Irritiert schaute ich mich um – niemand da.

“Hier oben“, flüsterte die Stimme und ich schaute in den Himmel – es war inzwischen schon dunkel geworden und die Sterne leuchteten. Auf einmal fiel mir ein kleiner Stern auf, der ein wenig abseits von den anderen war und mit mir redete

„Ich bin Stella, dein Wegstern und möchte dich mit auf eine Reise nehmen“, rief sie mir zu. „Folge mir einfach, wenn ich am Himmel entlang wandere – ich verspreche dir, du wirst es nicht bereuen. Vertraust du mir?“

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund fiel es mir leicht, mit Überzeugung „Ja“ zu antworten, denn tief in meinem Inneren spürte ich, dass dies eine Reise zum Glück wird. Ich folgte also Stella, die langsam den Himmel entlang nach Osten wanderte – wohin, kann, ich Euch jetzt noch nicht sagen.

Eure Olivia